- 8. August 2026
- Künstliche Intelligenz
- Business
- By Stefan Antonelli
Effort bei Claude: Warum mehr Rechenaufwand nicht das bessere Ergebnis ist
Es gibt in KI-Werkzeugen einen Regler, über den kaum jemand spricht, und der trotzdem direkt auf deine Rechnung durchschlägt. Er legt fest, wie viel Aufwand ein Modell in eine einzelne Aufgabe steckt.
In Claude Code, dem Werkzeug von Anthropic zum Programmieren mit KI, heißt dieser Regler “effort”. Er hat mehrere Stufen. Die beiden, über die gerade am meisten diskutiert wird, sind “high” und “ultracode”.
Wenn du selbst nicht programmierst, ist das trotzdem relevant für dich. Denn die Frage dahinter stellt sich in jedem KI-Projekt in deinem Laden. Wie viel Denkarbeit braucht eine Aufgabe wirklich, und wann zahlst du für Gründlichkeit, die dir niemand dankt?
Was der Regler überhaupt macht
Zuerst ein Missverständnis aus dem Weg räumen. “high” und “ultracode” sind keine zwei verschiedenen KI-Modelle. Es ist dasselbe Modell, nur mit unterschiedlich viel Anlauf.
Bei niedrigem Aufwand antwortet das Modell schnell und direkt. Bei hohem Aufwand denkt es länger nach, prüft mehr Alternativen, ruft mehr Werkzeuge auf und erklärt ausführlicher. Anthropic beschreibt das in der eigenen Dokumentation als Abwägung zwischen Gründlichkeit und Token-Verbrauch.
Token sind dabei die Abrechnungseinheit. Vereinfacht gesagt bezahlst du Text, den die KI liest und schreibt, und das Nachdenken zählt mit. Mehr Aufwand heißt also immer auch mehr Kosten und mehr Wartezeit.
”high” ist der Normalfall
“high” ist die Standardeinstellung. Wenn du gar nichts einstellst, arbeitest du auf dieser Stufe.
Das ist bewusst so gewählt. Für den Großteil der täglichen Arbeit ist “high” die richtige Wahl. Ein Fehler wird gesucht und behoben, eine einzelne Datei wird angepasst, ein überschaubares Feature entsteht. Die Qualität stimmt, die Antwort kommt zügig, die Kosten bleiben planbar.
Wichtig für die Einordnung. Anthropic empfiehlt für das aktuelle Spitzenmodell Opus 5 ausdrücklich, mit “high” zu starten und erst nach oben zu gehen, wenn die eigenen Tests zeigen, dass es sich lohnt.
”ultracode” ist zwei Dinge auf einmal
“ultracode” wird oft als “die noch höhere Stufe” beschrieben. Das trifft es nicht ganz.
“ultracode” schaltet zwei Sachen gleichzeitig ein. Erstens die Stufe “xhigh”, also den erweiterten Aufwand für lang laufende Aufgaben. Zweitens eine Automatik. Das Modell entscheidet ab dann selbst, ob eine Aufgabe groß genug ist, um sie in Teilaufgaben zu zerlegen und dafür mehrere Hilfs-Agenten zu starten, die parallel arbeiten. Analysieren, umsetzen, prüfen.
Der eigentliche Unterschied ist also nicht “denkt noch tiefer nach”. Der Unterschied ist, dass die Entscheidung über den Arbeitsaufbau vom Menschen zur KI wandert.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. “ultracode” funktioniert nur mit den Modellen Opus 5 und Opus 4.8. Und die Einstellung gilt nur für die laufende Sitzung. Beim nächsten Start bist du wieder auf Standard.
Die beiden Stufen im Vergleich
| Aspekt | high | ultracode |
|---|---|---|
| Denkaufwand | Hoch und ausgewogen | Stufe “xhigh”, deutlich gründlicher |
| Arbeitsaufbau | Ein normaler Durchgang | Automatische Aufteilung in Analyse, Umsetzung und Prüfung |
| Wer entscheidet über den Aufbau | Du | Das Modell |
| Geschwindigkeit | Schnell | Spürbar langsamer |
| Token-Verbrauch | Moderat und planbar | Höher, vor allem bei mehreren parallelen Teilaufgaben |
| Passt zu | Bugfixes, einzelne Dateien, Reviews, normale Features | Große Umbauten, Migrationen, Audits, Security-Prüfungen, viele Dateien auf einmal |
| Aktivierung | /effort high | /effort ultracode |
| Gültigkeit | Standardeinstellung | Nur für die laufende Sitzung |
Wann sich was rechnet
Hier die Einordnung, die wir bei operunAI in der Praxis nutzen.
Nimm “high”, wenn die Aufgabe klar umrissen ist. Ein Bugfix, eine einzelne Datei, eine kleine Änderung, ein normales Feature, ein schneller Durchgang durch fremden Code. Auch für die erste Runde einer schwierigen Fehlersuche reicht “high”. Wenn es hakt, kannst du immer noch hochschalten.
Nimm “ultracode”, wenn die Aufgabe von Natur aus aus vielen Teilaufgaben besteht. Ein großer Umbau über viele Dateien, eine Migration auf eine neue Version, ein Sicherheits- oder Datenschutz-Check über eine gewachsene Codebasis, das Einarbeiten in ein System, das niemand mehr komplett im Kopf hat. Genau da spielt die Automatik ihren Vorteil aus, weil sie Abdeckung schafft, die ein einzelner Durchgang nicht erreicht.
Für eine reine Architekturentscheidung ohne viel Umsetzung reicht meist “xhigh”. Die Automatik von “ultracode” brauchst du dafür nicht.
Bei allem dazwischen gilt eine einfache Regel. Fang unten an und geh hoch, wenn das Ergebnis nicht trägt. Nicht umgekehrt.
Was das für deinen Betrieb bedeutet
Der Punkt ist nicht der Befehl. Der Punkt ist die Denkweise dahinter, und die überträgt sich auf jedes KI-Werkzeug in deinem Unternehmen.
Erstens. Die teuerste Einstellung ist nicht automatisch die beste. Bei kleinen, klaren Aufgaben erzeugt maximaler Aufwand vor allem Wartezeit und Kosten. Wer aus Vorsicht immer die höchste Stufe fährt, zahlt jeden Tag einen Aufschlag für Gründlichkeit, die niemand bemerkt.
Zweitens. Es gibt einen echten Bereich, in dem sich der Aufschlag lohnt. Große Umbauten und Prüfungen über gewachsene Systeme sind genau der Fall, in dem ein einzelner Durchgang zu wenig ist. Dort ist Sparen am falschen Ende teurer als die Token.
Drittens. Diese Entscheidung braucht jemanden, der beide Seiten kennt. Die Technik und deine Zahlen. Genau das ist die Lücke, die wir bei unseren Kunden am häufigsten sehen. Die Werkzeuge sind da, die Lizenzen sind bezahlt, aber niemand hat je geprüft, ob die Einstellungen zur tatsächlichen Arbeit passen.
Der konkrete nächste Schritt
Wenn in deinem Unternehmen mit KI-Werkzeugen gearbeitet wird, egal ob im Code, im Vertrieb oder im Support, dann lohnt eine schlichte Bestandsaufnahme. Welche Aufgaben laufen täglich, welche laufen selten, und welche Einstellung ist dafür jeweils gesetzt?
Meistens fällt dabei auf, dass es gar keine bewusste Einstellung gibt. Es läuft einfach, was voreingestellt war.
operunAI ist dein externer Ansprechpartner für alle KI-Themen. Wir schauen uns an, welche Werkzeuge bei dir laufen, wo Aufwand und Nutzen auseinanderlaufen und was der nächste sinnvolle Schritt ist. Herstellerunabhängig, ohne Tool-Verkauf und mit laufender Begleitung statt einem einmaligen Workshop.
Wo entscheidet bei dir gerade eine Voreinstellung darüber, was KI kostet?
Quellen
- AI
- KI
- Claude
- Claude Code
- Claude Opus
- Effort
- ultracode
- Token
- Kosten


